Erfolgreiche 2. Europäische Jahreskonferenz „Frieden und Landwirtschaft“ in Poznan (Posen), Polen

Poznan, 22.09.2015. Unter dem Eindruck der Flüchtlingskrise hat am 21./22. September 2015 in Poznan/Polen der zweite europäische Friedensbrot-Kongress stattgefunden. Bei einer feierlichen Zeremonie im Rahmen der Polagra Food präsentierte und übergab der Landwirtschaftsminister Polens, Marek Sawicki, als Schirmherr des Kongresses das Friedensbrot 2015, das von Roggen aus den zwölf Partnerländern der FriedensBrot-Initiative gebacken wurde. Der Minister zeigte stolz auf die erheblichen Fortschritte in der polnischen Land- und Ernährungswirtschaft seit der Befreiung vom Kommunismus sowie dem Beitritt in die Europäische Union.

Bei der Feier würdigten Politiker aus Polen, Ungarn und Deutschland das von zivilgesellschaftlichen Gruppen getragene europäische Projekt FriedensBrot. Der Anbau von Roggen und das gemeinsame Backen des FriedensBrotes aus diesen zwölf Ländern sei ein eindrucksvolles Symbol dafür, wie sehr sich Frieden und Landwirtschaft gegenseitig bedingen. Erfreut zeigten sich die Redner, dass die Tradition des Kreuzzeichens beim Brotverzehr nicht ausgestorben sei. Brot sei immer noch der Inbegriff dafür, dass Lebensmittel nicht achtlos weggeworfen werden dürfen

Der polnische Landwirtschaftsminister Marek Sawicki verwies auf die besondere Verantwortung von Staat und Gesellschaft in der aktuellen Flüchtlingskrise und bemängelte es, „dass es innerhalb Europas immer noch so viele Missverständnisse und Hindernisse gibt“. Für den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Peter Bleser, ist „Frieden nur durch gemeinsame Anstrengungen möglich“. Not und Vertreibung würden Politik wie Zivilgesellschaft gleichermaßen ansprechen. Jetzt gelte es, dass Europa zusammenzustehe, um die zahlreichen Flüchtlinge unterzubringen und ebenso die Ursachen ihrer Flucht anzugehen. Die Landwirtschaft könne nur im Frieden eine ausreichende Menge an hochwertigen und sicheren Lebensmitteln produzieren. „Wenn die Menschen nicht satt werden, ist der Frieden in Gefahr“, so der Parlamentarische Staatssekretär.

Wie Minister Sawicki verwies auch Staatssekretär Bleser auf die Herausforderung, die stark steigende Weltbevölkerung ausreichend zu versorgen. Dafür brauche es eine nachhaltige produktive Landwirtschaft in vielen Teilen der Welt, was Deutschland mit landwirtschaftlichen Demonstrationsvorhaben und Schulzentren sowie Kooperationsprojekten mit Partnerländern fördere.

Der Vize-Landwirtschaftsminister von Ungarn, Marton Örs Bitay, stellte die Notwendigkeit einer engen Partnerschaft von Politik, Agrarwirtschaft und Wissenschaft heraus, um eine nachhaltige Landwirtschaft zu gewährleisten. Angesichts der großen Leistungen verdiene der Agrarsektor mehr öffentliche Aufmerksamkeit und Respekt. Ungarn freue sich sehr darauf, 2016 den FriedensBrot-Kongress in Szarvas bei sich zu haben.

Zu den Gästen des FriedensBrot-Kongresses gehörte wie schon im vergangenen Jahr eine Delegation des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses (EWSA). Dieses Beratungsgremium als „Brückenbauer“ zwischen europäischen Institutionen und Zivilgesellschaft möchte die Initiative FriedensBrot auch in Zukunft begleiten.

Der ehrenamtliche Geschäftsführer des Vereins FriedensBrot e.V., Dr. Gibfried Schenk, verwies für die deutsche Delegation darauf, dass bei der ersten europäischen Friedensbrot-Konferenz im vergangenen Jahr in Berlin – aus Anlass 25 Jahre Fall der Berliner Mauer und des Eisernen Vorhangs – ein jährliches Treffen vereinbart wurde. So wie man in Berlin das kleine Feld für den Friedens-Roggen auf dem ehemaligen Todesstreifen der Berliner Mauer an der Bernauerstraße bebaue, hätten auch die elf osteuropäischen Partnerländer für den Roggenanbau besondere historische Orte des Erinnerns ausgesucht. In Polen etwa widmet sich die Gemeinde Suchowola gemeinsam mit einem landwirtschaftlichen Schulzentrum mit hohem Engagement dem FriedensBrot-Projekt, für das die Familie des seliggesprochenen Priesters Jerzy Popieluszko, der 1984 von den kommunistischen Machthabern ermordet wurde, die Schirmherrschaft übernommen hat.

Alle beteiligten Delegationen stellten ihre Aktivitäten vor, die viel öffentliche Aufmerksamkeit und Zustimmung in ihren Ländern erfahren. Auch gibt es teilweise Überlegungen bzw. Fortschritte, eigene Friedensbrot-Vereine in ihren Ländern zu gründen.

Im Rahmen des Kongresses wurden unter Vorsitz des polnischen Koordinators für FriedensBrot, Bürgermeister Michal Matyskiel, die Herausforderungen und Erfolge der Selbstverwaltung in den kommunalen Einrichtungen in abgelegenen ländlichen Räumen Polens behandelt. Das europäische LEADER-Programm wird als außerordentlich hilfreich angesehen. Neue Technologien, bessere Schul- und Beratungsangebote und Breitbandzugang gehören zu den wichtigsten Aufgaben. Dennoch leiden vor allem periphere ländliche Räume unter Finanzschwäche und Abwanderung.

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