Europäische Landwirtschaft – Chancen für junge Landwirte
Im September 2016 trafen sich Vertreter des Internationalen Netzwerkes „Frieden und Landwirtschaft“ zu ihrer 3. Jahreskonferenz schon einmal im ungarischen Szarvas. Nun, zum zweiten Mal an diesem Ort, läutete die 11. Europäische Jahreskonferenz vom 7. bis 9. Oktober 2025 eine „neue Dekade“ des Dialogs und der Verständigung unter dem kraftvollen Symbol des Europäischen FriedensBrotes ein. Premiere feierte dort ein erstes „Sourdough Camp“ (SDC), mit dem das Netzwerk in Zukunft gezielt junge Menschen aus Landwirtschaf und ländlichen Räumen zur Diskussion aktueller Fragen zur Zukunft von Landwirtschaft und Frieden in der Europäischen Union ermutigen und einbinden will.
6. Oktober 2025
Begrüßungsabend für die Teilnehmer am Sourdough Camp (SDC) im Turul Restaurant, Szarvas, am 6. Oktober 2025, 19:00 Uhr
Dr. Anoush Steinberger-Ficiciyan, Geschäftsführerin des Vereins FriedensBrot e.V. Berlin, und Dr. Andreas Quiring, Geschäftsführer der Andreas-Hermes-Akademie Berlin, begrüßen die Teilnehmer am Vorabend des ersten internationalen Sourdough Camps. Bevor der offizielle Workshop-Tag startete, wurde der erste Abend für ein entspannten Kennenlernen genutzt. Bei einem gemeinsamen Abendessen und spontanen Mini-Speeches — gezogen per Zufallsthema — wurde schnell gelacht, diskutiert und die anfängliche Aufregung abgebaut. Dieser humorvolle Auftakt legte die perfekte Grundlage für die gemeinsame Arbeit der folgenden Tage
7. Oktober 2025
Sourdough Camp (SDC) workshop (working sessions), am 7. Oktober 2025, 09:30 – 18:00 Uhr in der Zentralen Bibliothek der Ungarischen Universität für Landwirtschaft und Biowissenschaften (Hungarian University of Agriculture and Life Sciences, MATE) in Szarvas
Moderator: Dr. Andreas Quiring, Geschäftsführer der Andreas-Hermes-Akademie Berlin
Der Workshop-Tag am 7. Oktober brachte die Gruppe rasch in einen lebendigen, offenen Austausch. Unter dem Leitmotiv „The Future Balance between Food Sovereignty and Sustainability“ setzten sich die jungen Teilnehmenden intensiv mit den drängenden Fragen einer zukunftsfähigen Landwirtschaft auseinander. In Kleingruppen diskutierten sie, welche politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen notwendig sind, um Ernährungssouveränität und Nachhaltigkeit langfristig miteinander in Einklang zu bringen. Dabei flossen persönliche Erfahrungen aus den jeweiligen Heimatländern ebenso ein wie fachliche Kenntnisse und Beobachtungen aus der eigenen landwirtschaftlichen Praxis oder Ausbildung.
Auf dieser Grundlage entwickelten die Gruppen konkrete Thesen zu sozialen Herausforderungen, ökologischen Fragestellungen und wirtschaftlichen Perspektiven – orientiert an den drei Dimensionen des Nachhaltigkeitsdreiecks. Diese Struktur half ihnen, die große Themenvielfalt systematisch zu erfassen und zugleich kreative, zukunftsgerichtete Lösungsansätze zu formulieren. Viele Diskussionen zeigten, wie eng diese drei Bereiche miteinander verknüpft sind und dass eine nachhaltige Transformation nur gelingen kann, wenn sie ganzheitlich gedacht wird.
Im anschließenden Plenum wurden alle Ergebnisse vorgestellt, gemeinsam diskutiert und weiter geschärft. Die Teilnehmenden hörten einander aufmerksam zu, stellten kritische Rückfragen und ergänzten die Beiträge der anderen mit eigenen Perspektiven. Schließlich einigte sich die gesamte Gruppe auf drei Kernthesen pro Themenfeld, die sowohl die Vielfalt der Ideen widerspiegelten als auch klare Prioritäten setzten.
Das Resultat waren eindrucksvolle, eigenständige Statements: Sie betonten ökologische Verantwortung im Sinne einer nachhaltigen Ressourcennutzung, hoben die Bedeutung internationaler Vernetzung junger Menschen als Motor für Innovation und Zusammenhalt hervor und unterstrichen die Relevanz europäischer Wirtschaftssouveränität für eine widerstandsfähige Landwirtschaft. Die Beiträge machten deutlich, wie reflektiert und richtungsweisend junge Menschen agrarpolitische Zukunftsfragen mitgestalten können.
Abendessen und Tischgespräche
Nach diesem langen und ereignisreichen Tag aßen die Teilnehmenden gemeinsam typisch ungarische Gerichte. Die Sourdough Teilnehmenden lernten die Konferenzgäste kennen, die bereits angereist waren Bei dem entspannten Zusammensitzen entstanden Gespräche, es wurde gelacht und die Gelegenheit genutzt, sich weiter besser kennenzulernen. Die lockere Atmosphäre und der bewusst angelegte Austausch zwischen den Generationen bildete einen angenehmen Auftakt und gute Gesprächsgrundlage für die bevorstehenden Konferenz-Tage.
8. Oktober 2025
Netzwerk-Treffen der 11. Europäische Jahreskonferenz „Frieden und Landwirtschaft“
Europäische Landwirtschaft – Chancen für junge Landwirte
am 8. Oktober 2025, 09:30 – 13:00 Uhr im Konferenzzentrum der Ungarischen Universität für Landwirtschaft und Biowissenschaften (Hungarian University of Agriculture and Life Sciences, MATE) in Szarvas
09:30 – 10:30: Präsentation der Ergebnisse des Sourdough-Camps durch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer
Am darauffolgenden Tag präsentierten die Teilnehmenden ihre Thesen erstmals den zivilgesellschaftlichen Vertretern der Partnerländer des Internationalen Netzwerks – darunter auch die bulgarischen Partner, die das Jugendcamp 2026 ausrichten werden. Für viele der jungen Menschen war es das erste Mal, ihre Positionen vor einem internationalen Fachpublikum vorzustellen. Umso beeindruckender war ihre Klarheit im Ausdruck und ihr Selbstbewusstsein beim Formulieren der eigenen Standpunkte.
Sie nutzten die Gelegenheit, um die Beweggründe hinter ihren Thesen darzulegen und aktuelle Herausforderungen einzuordnen. Dabei wurde deutlich, wie intensiv sie sich im Vorfeld mit den Themen auseinandergesetzt hatten: von Fragen der Ernährungssouveränität über ökologische Verantwortung bis hin zu strukturellen Bedingungen in der europäischen Landwirtschaft.
Die Repräsentanten der Partnerländer nahmen die Impulse aufmerksam auf, stellten Rückfragen und gaben eigene Perspektiven aus ihren nationalen Kontexten zurück. Dieser direkte Dialog führte zu einem lebendigen und wertschätzenden Austausch. Gleichzeitig wurde deutlich, wie sehr internationale Zusammenarbeit davon profitieren kann, dass junge Stimmen Raum bekommen und ernst genommen werden.
11:00 – 13:00: Diskussionsbeiträge der zivilgesellschaftlichen Vertreter aus den Partnerländern
Der Austausch zwischen den Teilnehmenden des Sourdough-Camps und den zivilgesellschaftlichen Vertreterinnen und Vertretern aus den Partnerländern wurde am späten Vormittag des ersten Konferenztages in umgekehrter Reihenfolge fortgesetzt. Im Mittelpunkt standen nun die Beiträge der langjährig engagierten Akteurinnen und Akteure des FriedensBrot-Netzwerks. Sie brachten ihre Perspektiven zum Konferenzthema, zur Weiterentwicklung der FriedensBrot-Plattform sowie zu fachlichen Schwerpunkten ein, die von den Sourdough-Thesen und vorangegangen Diskussionen inspiriert waren.
Dabei wurde deutlich, dass das Netzwerk nach zehn Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit an Kontinuität anknüpfen und zugleich neue Impulse und Formate entwickeln möchte. In den Beiträgen wurde zudem die Bedeutung der FriedensBrot-Idee hervorgehoben – insbesondere vor dem Hintergrund des anhaltenden Krieges in der Ukraine.
Die damit verbundenen Herausforderungen, auch im Hinblick auf die europäische Agrar- und Kohäsionspolitik, wurden als weiterhin relevante Themen für zukünftige Veranstaltungen, auch im Rahmen der Sourdough-Camps benannt. Das FriedensBrot-Netzwerk will und soll sich in diesem Kontext bewusst als Plattform für den offenen und authentischen Austausch und die Verständigung, auch über scheinbare Differenzen und Generationen hinweg, verstehen.
14:00 – 16:00: Exkursion zu einer Lebensmittelverarbeitungsfabrik unter der Leitung eines jungen Unternehmers (gute landwirtschaftliche Praxis: Valoryz Production Ltd., Szarvas)
Eine gemeinsame Exkursion zu einer jungen Landwirtin, die einen innovativen Reisanbau betreibt, setze das Programm am Nachmittag des ersten Konferenztages fort. Vor Ort erhielten die Teilnehmenden unmittelbare Einblicke in betriebliche Entscheidungen und Maschinen eines modernen, nachhaltigen Landwirtschaftsbetriebs, der Reis für Babynahrung, Kekse und gesunde Getränke verarbeitet. Die persönlichen Gespräche und authentischen Eindrücke machten deutlich, wie eng Theorie, Praxis und Zukunftsfragen miteinander verknüpft sind – und wie viel Mut und Kreativität es braucht, um neue Wege in der Landwirtschaft zu gehen.
9. Oktober 2025
09:00 – 12:00 Konferenz „Frieden und Landwirtschaft“
im Konferenzzentrum der Ungarischen Universität für Landwirtschaft und Biowissenschaften (Hungarian University of Agriculture and Life Sciences, MATE) in Szarvas
Der zweite Konferenztag stand zunächst ganz im Zeichen des Dialogs mit den angereisten politischen und ministeriellen Repräsentanten der Partnerländer und bot vor allem und bewusst so angelegt den jungen Teilnehmenden des Sourdough-Camps die Möglichkeit, ihre erarbeiteten Thesen direkt in die politische Ebene einzuspeisen. Dabei sprachen und beitigten sich mit Grußworten und Redebeiträgen:
- Mihaly Jancso, Stellv. Leiter des Forschungszentrums (Deputy Head of Research Center)
- Csaba Bartolák, Stellv. Bürgermeister v. Szarvas (Deputy Mayor of Szarvas)
- Oszkar Ökrös, Stellv. Staatssekretär im Ungarischen Landwirtschaftsministerium (State secretary Hungarian Ministry of Agriculture)
- Peter Benkö, Bevollmächtigter Minister in der Ständ. Vertretung Ungarns in der Europäischen Union
- Sebastian Graf von Keyserlingk, Unterabteilungsleiter Internationale Zusammenarbeit und Welternährung im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH)
- Weitere Politiker und Repräsentanten aus Estland, Kroatien, Lettland, Litauen, Polen, der Slowakischen Republik und der Ukraine (Online zugeschaltet).
Mit spürbarem Engagement und leichter Aufregung stellen die Teilnehmenden am Sourdough-Camp ihre Ergebnisse vor, erläuterten zentrale Anliegen und machten deutlich, welche Impulse sie für die Zukunft der europäischen Landwirtschaft setzen möchten. Die Präsentationen zeigten eindrucksvoll, wie differenziert die junge Generation agrarpolitische Herausforderungen betrachtet – und wie lösungsorientiert sie an komplexe Zukunftsfragen herangeht.
Sowohl das ungarische Landwirtschaftsministerium als auch das deutsche BMELH würdigten die fachliche Tiefe der Ausarbeitungen. Besonders hervorgehoben wurde, wie wichtig die Perspektiven junger Menschen für eine nachhaltige, zukunftsfähige Agrarpolitik sind. Die klare Botschaft der politischen VertreterInnen: Die Stimmen der Jugend werden gebraucht – und sie finden Gehör.
Ein besonders erfreuliches Zeichen für die gesamte Gruppe: Ein bulgarischer Vertreter des Camps wurde im Anschluss vom deutschen Landwirtschaftsministerium eingeladen, am Youth Forum des Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) im Januar 2026 anlässlich der Internationalen Grünen Woche in Berlin teilzunehmen. Diese Einladung ist nicht nur eine persönliche Auszeichnung, sondern unterstreicht auch den Wert des Sourdough C(h)amps als Plattform, auf der junge Menschen sichtbar werden und Einfluss nehmen können.
14:15 – 15:30 FriedensBrot-Zeremonie „Ehrung unseres Europäischen FriedensBrotes“ in der Lutherischen Kirche von Szarvas (Ótemplom)
Feierliches Brechen und Ehrung des Europäischen FriedensBrotes
Übergabe des FriedensBrotes an die Vertreter Bulgariens, Veranstalter der 12. Jahreskonferenz „Frieden und Landwirtschaft“ 2026
Der zeremonielle und emotionale Höhepunkt einer jeden FriedensBrot-Konferenz. Die Konferenzteilnehmenden erreichen die festlich geschmückte Lutherische Kirche in Szarvas. Musik begleitet Jugendliche, die das Europäische FriedensBrot des Jahres 2025 feierlich in die Kirche tragen. Der würdige Abschluss der 11. Jahreskonferenz des Internationalen Netzwerkes „Frieden und Landwirtschaft“ beginnt.
Pfarrer Zsolt Lázár begrüßt, gemeinsam mit seinem Kollegen, die lokalen und internationalen Gäste. Er unterstreicht die symbolische Rolle des Brotes als Verbindung zwischen Landwirtschaft, Ernährungssicherheit und Frieden in Europa und weltweit. Zsolt Lázár begleitet das FriedensBrot-Projekt von Anfang an. Einige Teilnehmende im Raum erinnern sich noch gern daran, daß der pastorale Menschenfreund bereits im September 2016, zur 3. Jahreskonferenz des FriedensBrot-Netzwerkes, Gäste und Freunde aus den Partnerländern an diesem besonderen Ort begrüßte. Damals wie heute zelebriert er einen ökumenischen Gottesdienst.
Geladene Gäste ergreifen das Wort: Frau Dr. Anna Miklós, Mitarbeiterin der Kirchengemeinde, Mr. Pal Hodalik, Bürgermeister von Szarvas und Dr. Gibfried Schenk, Mitglied des Vorstands des deutschen Vereins FriedensBrot e.V. In seiner Rede erinnert Schenk, Gründer der FriedensBrot-Idee, an die Geschichte Europas, an Zeiten von Krieg und Umbrüchen, in der Menschen aus den heute hier in Szarvas versammelten Partnerländern ihr Leben für die Freiheit gaben. Gemeinsam wurde 1989 der Eiserne Vorhang in Europa niedergerungen. Gemeinsam setzt man sich heute aber unter der Symbolik des Europäischen FriedensBrotes für einen gerechten Frieden in der Ukraine ein. Denn auch dort müssten die grundlegenden Überzeugungen der FriedensBrot-Gemeinschaft gelten: „Landwirtschaft braucht Frieden – Kein Frieden ohne Landwirtschaft“!
Im Weiteren sprechen Dr. Oszkar Ökrös Stellv. Staatssekretär im ungarischen Landwirtschaftsministerium und Nicolay Panayotov, Bevollmächtigter Minister an der Botschaft der Republik Bulgarien in Ungarn. Beide würdigen das Projekt aus Sicht der Agrarpolitik und als Vertreter ihres Landes.
Anschließend dann die symbolische Staffelstabübergabe an das Gastgeberland der nächstjährigen Internationalen Konferenz. Dementsprechend überreicht Dr. Ökrös das FriedensBrot des Jahres 2025 an Minister Panayotov, denn Bulgarien wird das Gastland der 12. Jahreskonferenz „Frieden und Landwirtschaft“ im Jahr 2026 sein.
Ein Gruppenfoto am Ausgang der Kirche vereint zum Abschluss die Gäste der Konferenz, bevor sie nach drei Tagen gemeinsamer Gespräche und mit vielen neuen Eindrücken und Erkenntnissen die Heimreise antreten – verbunden mit großer Dankbarkeit für die ungarischen Veranstalter aus der Zivilgesellschaft, vor Ort und aus dem Ungarischen Landwirtschaftsministerium, denn in Szarvas konnte mit der Veranstaltung des ersten Sourdough-Camps ein neues Kapitel im FriedensBrot-Netzwerk und für seine Zukunft geöffnet werden.
Familienfoto